1. Sofortmaßnahmen: Stoppen, Eindämmen & Sicherheit

  • Abfüllvorgang SOFORT unterbrechen: Das ist der allererste und wichtigste Schritt. Stoppen Sie umgehend den Befüllvorgang des Tankwagens. (Befüllung Start/Stopp, Nebenantrieb und/oder Motor des TKW ausschalten), schließen Sie dann sofort die Füllpistole am Tankanschluss.
  • Produkt sofort eindämmen und auffangen:
    • Absolute Priorität: Umweltschäden verhindern! Verhindern Sie mit allen Mitteln, dass das Produkt in Abflüsse, Gullys, die Kanalisation, Oberflächengewässer oder ungeschützt in den Erdboden gelangt. Gerade im Keller besteht die Gefahr, dass es in die Kanalisation oder das Grundwasser sickert.
    • Setzen Sie sofort die im Tankwagen mitgeführten Ölbindemittel ein. Streuen Sie diese großzügig auf das ausgetretene Produkt, um es zu binden und aufzusaugen.
    • Schaffen Sie Barrieren: Wenn Bindemittel nicht ausreichen oder nicht sofort verfügbar sind, nutzen Sie verfügbare Materialien wie Sand, Erde oder Lappen, um das Öl einzudämmen und am Abfließen in Bodenabläufe oder andere Bereiche zu hindern.
    • Decken Sie Gullys und Abflüsse mit der Gully-Abdeckung oder geeigneten Tüten/Planen ab.
  • Zündquellen in der unmittelbaren Nähe des Austritts beseitigen:
    • Rauchen ist im gesamten Gefahrenbereich strengstens verboten.
    • Offenes Feuer (z.B. Flammen von Heizungsanlagen, Kerzen) muss umgehend vermieden oder gelöscht werden.
    • Elektrische Geräte: Betätigen Sie KEINE elektrischen Schalter, Lichter, Maschinen, Funkgeräte oder Mobiltelefone in der direkten Nähe des Lecks, besonders wenn Sie Kraftstoffdämpfe riechen. Elektrische Funken können eine Explosion verursachen.
    • Lüftung: Sorgen Sie für Querlüftung, indem Sie vorsichtig Fenster und Türen öffnen, aber keine elektrischen Lüfter einschalten, da auch diese Funken erzeugen können.
  • Eigenschutz gewährleisten:
    • Ziehen Sie Ihre persönliche Schutzausrüstung (PSA) an (z.B. ölbeständige Handschuhe, Sicherheitsschuhe, Schutzbrille usw.).
    • Vermeiden Sie direkten Hautkontakt mit dem Produkt und das Einatmen von Dämpfen, besonders in unbelüfteten oder geschlossenen Räumen wie Kellern.

2. Gefahrenbereich absichern & Notruf absetzen

  • Warnung und Lenkung von Personen:
    • Machen Sie Umstehende (Kunden, Anwohner) auf die Gefahr aufmerksam und fordern Sie sie auf, Abstand zu halten und den betroffenen Bereich nicht zu betreten. Weisen Sie deutlich auf die Rutsch- und Brand-/Explosionsgefahr durch Dämpfe hin.
    • Der Fokus liegt hier auf mündlicher Warnung und deutlichen Anweisungen, um eine Behinderung der Helfer zu vermeiden, aber gleichzeitig die Sicherheit Unbeteiligter zu gewährleisten.
  • Kunden informieren: Der Kunde oder der Anlagenverantwortliche muss unverzüglich über den Vorfall und die ergriffenen Maßnahmen informiert werden. Er ist auch für die weitere Koordination im Gebäude verantwortlich.
  • Notruf 112 (Feuerwehr) absetzen: Dies ist zwingend erforderlich, wenn:
    • Eine größere Menge Produkt ausgetreten ist.
    • Das Produkt in die Kanalisation, in ein Gewässer, in den Erdboden oder in unzugängliche Bereiche gelangt ist.
    • Sie das Ausmaß des Schadens nicht alleine beherrschen können oder eine akute Gefahr für Umwelt, Leib und Leben durch z.B. Dämpfe besteht.
    • Geben Sie dem Notdienst präzise Angaben: Ihren genauen Standort (Adresse mit Ort und Straße, und ganz wichtig: „Produktaustritt im Kellergeschoss“), Art des ausgetretenen Produkts (Heizöl/Diesel), geschätzte Austrittsmenge und wohin es sich ausgebreitet hat (z.B. „auf dem Kellerboden, läuft Richtung Abfluss“).
  • Arbeitgeber informieren: Melden Sie den Vorfall umgehend Ihrer Disposition oder Ihrem Vorgesetzten gemäß den internen Notfallplänen Ihres Unternehmens.

3. Koordination & Umfassende Dokumentation

  • Kooperation: Arbeiten Sie eng mit der eintreffenden Feuerwehr und anderen Behörden (z.B. Polizei, Umweltamt) zusammen. Geben Sie alle erforderlichen Informationen und befolgen Sie deren Anweisungen strikt.
  • Umfassende Dokumentation: Halten Sie alle Details des Vorfalls fest:
    • Datum, Uhrzeit und genauer Ort.
    • Art und geschätzte Menge des ausgetretenen Produkts.
    • Die Ursache der Überfüllung, falls feststellbar (z.B. defekter Grenzwertgeber, Tank nicht kontrollierbar, menschliches Versagen).
    • Die sofort ergriffenen Maßnahmen zur Eindämmung.
    • Wetterbedingungen zum Zeitpunkt des Vorfalls.
    • Namen von anwesenden Zeugen und Einsatzkräften.
    • Machen Sie Fotos von der Austrittsstelle, dem ausgetretenen Produkt und dem Umfang des Schadens. Dies ist entscheidend für spätere Gutachten und Versicherungsfragen.
    • Zusätzlich zur Dokumentation gehört die gesetzlich vorgeschriebene Freiraumermittlung. Dies beinhaltet:
      • Die ermittelte Menge im Tank vor dem Befüllen.
      • Den daraus ermittelten Freiraum (verfügbares Volumen) im Tank.
      • Die Vorwahl im Tankwagenrechner/Abfüllanlage.